Herpes / Herpes Genitalis

Herpes bezeichnet mehrere Krankheiten, die durch die entsprechenden Viren entstehen. Vom humanen Herpes-Virus gibt es 8 verschiedene Typen. Die Krankheit tritt weltweit auf und die verschiedenen Viren-Typen sind verantwortlich für etliche Erkrankungen bzw. Infektionen. Das Herpes-simplex-Virus trägt die Bezeichnung HSV-2. Es verursacht Lippenherpes (meist jedoch HSV-1-Infektion) und vor allem Herpes genitalis (nur 20-30 % werden dabei durch HSV-1-Infektion ausgelöst).

Lippenherpes ist einige bekannt unter „Ekelblase“. Herpesviren führen zum Krabbeln und Spannen der Haut, bis sich nach ein, zwei Tagen die juckenden Bläschen bilden. Unbehandelt bildet sich nach etwa 3 Tagen eine gelblich-braune Kruste, danach heilt der Akutzustand Herpes komplett ab. Jedoch verbleiben die Viren ein Leben lang im Körper, was bedeutet, dass bestimmte Auslöser die Erkrankung sofort wieder auslösen können und der Zyklus erneut stattfindet. Da diese Virusinfektion ansteckend ist, sollte man den direkten Kontakt, beispielsweise durch Küssen, vermeiden. Zur Behandlung wird Aciclovir empfohlen, wobei die kleinen Tuben von etwa 5 bis 10 g Inhalt relativ preisintensiv sind und selbst gekauft werden müssen.

Die Krankheit Genitalherpes gehört zu denen, die am häufigsten durch sexuelle Kontakte (HSV-2) übertragen werden. Auch eine Tröpfchen- oder eine Schmierinfektion (HSV-1) sind möglich. Eine Erstinfektion verläuft häufig unbemerkt. Der Körper bildet Antikörper, die ins Nervensytem gelangen und dort eine Infektion auslösen. Das Immunsystem entfernt die Viren aus der Schleimhaut und teilweise aus den infizierten Nervenzellen. Weil jedoch das Virus teilweise überlebt und das Immunsystem angegriffen ist, kommt es zu einer Reinfektion oder zweiten (Sekundär-) Infektion, was z. B. beim Lippenherpes durch diesen sichtbar wird. Mögliche Auslöser sind Reizungen der Haut, Sonnenbrand und andere Verbrennungen, Verletzungen, Reizungen am Ganglion (bei Lippenherpes durch zahnärztliche Behandlung), Stress, bei Genitalherpes Hormonschwankungen, beispielsweise durch die Regelblutung, Tumorerkrankungen, Fieber oder bakterielle Lungenentzündung.

HSV-1 wird oft schon im Kindesalter von der Mutter auf das Kind übertragen, z. B. auch selten während der Geburtsphase (wenn die Schwangere infiziert ist). Über Spielkameraden oder Geschwister kann die Übertragung von HSV-1 ebenfalls erfolgen. Mit HSV-2 infizieren sich die Patienten erst in der Pubertät und danach.

Diagnosestellung, Symptome, Therapie

Beim Genitalherpes ist die Krankengeschichte aufschlussreich. Typische äußerlich sichtbare Beschwerden sind entzündliche Bläschen im Genitalbereich. Der Erregernachweis erfolgt aus dem Inhalt der Bläschen oder aus Abstrichen von Haut oder Schleimhaut. Auch die mikroskopische oder elektronenmikroskopische Untersuchung von Gewebeproben sowie eine genetische Untersuchung können den Nachweis erbringen.

Wie beim Lippenherpes äußert sich auch ein Genitalherpes-Ausbruch häufig vorher durch eine gereizte, juckende, überempfindliche Haut. Dann treten die meist schmerzhaften Bläschen auf, zum Teil mit Belägen, die eitrig oder verkrustet sei können. Bei Frauen sind diese nach etwa einer Woche in Grüppchen in der Scheide, im Gebärmutterhals, am Muttermund und an der Harnröhre bis zum After. Entzündungen der Harnröhre können ebenfalls vorher auftreten. Hohes Fieber kann eine Begleiterscheinung sein. Auch Schwellungen der umgebenden Lymphknoten oder glasiger Ausfluss sind möglich. Beim Mann treten die gruppierten Geschwüre und Bläschen und Geschwüre an der Vorhaut und/oder an der Eichel auf.

Je nachdem, wie schwer die Krankheit auftritt und mit welchen Symptomen, wird die Therapie ausgewählt. Meist ist nur eine Eindämmung und Beschwerdelinderung möglich, aber keine komplette Beseitigung der Viren. Gegen Genitalherpes hilft Aciclovir oder Famiciclovir. Es gibt das Medikament als Salbe, Tabletten oder Infusion. Sind Haut oder Schleimhäute begrenzt befallen, müssen sie nicht behandelt werden. Kommt es zusätzlich zu einer bakteriellen Infektion, sind Desinfektionsmaßnahmen und Antibiotika sinnvoll. In jedem Fall sollten die Sexualpartner bei Genitalherpes mitbehandelt und überwacht werden.

Als Komplikationen können Beteiligung der Leber, der Lunge oder anderer Organe, ja sogar des Zentralnervensystems auftreten. Bei einer HSV-Sepsis kommt es oft zu Todesfällen. Mögliche Folgeerkrankungen können aber auch ein Zervixkarzinom (Krebs am Gebärmutterhals), eine Entzündung der Hirnhaut, der Scheide oder der Darmschleimhaut u. a. sein. Werdende Mütter können die Erkrankung während der Schwangerschaft und Geburtsphase an den Säugling übertragen, was zum Glück relativ selten ist, aber schwere Folgen (z. B. Gehirnentzündung) hat.

Meist heilt Herpes sowie auch Genitalherpes von selbst aus, jederzeit ist aber ein erneuter Ausbruch möglich, weil sich die Viren im Organismus eingenistet haben. Vorbeugen kann man einem solchen Ausbruch durch eine gesunde Lebensweise, ausreichenden Schlaf, wenig Stress, Schutz vor UV-Strahlen und einer Stärkung des Immunsystems. Doch nicht immer schützen diese Maßnahmen vor einem erneuten Herpesausbruch. Das Berühren infizierter Stellen ist, wenn möglich, zu vermeiden. Nach dem Berühren infizierter Stellen müssen unbedingt die Hände gründlich gereinigt werden. Gegen Herpes genitales hilft zur Vorbeugung Kondome beim Geschlechtsverkehr, jedoch nicht immer, da nicht durch den Verkehr allein die Übertragung erfolgt, sondern zum Beispiel auch durch orale oder manuelle Techniken.

Weitere Erkrankungen, die durch Herpesviren ausgelöst werden neben Lippenherpes und Genitalherpes, sind die Gürtel- und auch die Gesichtsrose. Die meisten Ansteckungen bei Lippenherpes erfolgen bereits im Kleinkindalter. Beim Oralverkehr besteht die Gefahr, Lippenherpes auf die Genitalien zu übertragen, wobei es dann zum Herpes genitales kommen kann.